Bei OMG kommen jedes Jahr etwa hundert Konsolen aus privaten Sammlungen ins Werkstatt-Sortier-Regal. Manche werden uns geschenkt — Wim fährt mit dem Lastenrad zum Spender und nimmt die Schachtel mit. Manche kaufen wir an, wenn das Stück seinen Wert wert ist. Und manche schicken wir mit einem höflichen Brief zurück, weil sich die Reparatur nicht lohnt. Cilia hat dafür eine Tabelle entworfen, die sie in ihrem Werkstattbuch unter «Eintrag 18» führt. Wir veröffentlichen sie hier zum ersten Mal — als Werkzeug für alle, die einen Keller ausräumen.
Die Tabelle ist ehrlich und stellenweise ernüchternd. Sie ist keine Sammlerwert-Liste aus dem Internet. Sie ist eine Anwerber-Tabelle: welchen Preis wir wirklich bezahlen, wenn ein Gerät in der angegebenen Form bei uns ankommt. Wer ein bestimmtes Stück bei einer Auktion vergleichbar verkauft, kann mehr bekommen — wir nicht.
Cilias Schubladen-Tabelle (Stand Februar 2026)
Erste Familie: Nintendo (NES, SNES, N64)
- NES Toploader (NES-101) — ohne Controller: 28 €. Mit Originalcontroller: 42 €. Mit RF-Box-Adapter und Original-Karton: 70 €. Der Toploader ist mechanisch zuverlässiger als das Front-Loader-Modell und damit für unsere Werkstatt der bevorzugte Ankauf.
- NES Front-Loader — wir kaufen das Standardmodell aktuell nicht mehr an, weil die 72-Pin-Federleisten in 80 % der Fälle nach Pflege weiter problematisch bleiben. Ausnahme: in original-Karton mit beiden Controllern und Zapper: 65 €.
- SNES PAL — 45 €. Mit zwei Controllern: 60 €. Mit Original-Karton und Manualen: 95 €. Das vergilbte Gehäuse senkt den Wert nicht — Cilia bleicht es bei Bedarf mit einer Retr0bright-Behandlung.
- SNES Mini (SNES-101) — 70 €. Mit zwei Controllern: 90 €. Die Mini-Version ist das beste 8-bit-Nintendo, das man kaufen kann — höhere Modellnummer, ruhigerer Kondensator-Block, kein Vergilbungs-Problem.
- Nintendo 64 (charcoal grey) — 35 €. Mit einem Original-Controller (Analog-Stick straff): 60 €. Mit Expansion Pak: zusätzlich 25 €. Der Charcoal-Grey-Version geben wir Vorzug, weil die Atomic-Purple-Variante meistens stark verkratzt ist.
- Game Boy Pocket — 35 €. Mit Originalverpackung: 60 €.
- Game Boy Advance SP (AGS-101) — 95 €. Das ist die mit dem hellen Bildschirm. Die ältere AGS-001-Variante zahlen wir mit maximal 55 €, weil das Display in 60 % der Fälle nicht mehr akzeptabel ist.
Zweite Familie: Sega (Master System, Mega Drive, Saturn, Dreamcast)
- Master System II — 25 €. Mit Originalcontroller und Anleitung: 40 €.
- Mega Drive Mark I (mit «High Definition Graphics»-Aufdruck) — 50 €. Mit zwei Six-Button-Controllern: 75 €. Mit Original-PSU: 90 €. Mark I-Geräte haben den besseren YM2612-Sound-Chip; sie sind die echte 16-bit-Sega-Erfahrung.
- Mega Drive Mark II — 30 €. Der Sound ist nicht mehr identisch mit dem Mark I, weshalb Sammler weniger bezahlen. Brauchbar bleibt das Gerät trotzdem.
- Sega Saturn (PAL) — 55 €. Mit zwei Controllern: 80 €. Mit Action Replay 4M: zusätzlich 30 €. Wichtigster Faktor: die GD-ROM-Linse — wir prüfen mit drei spezifischen Disc-Mustern.
- Sega Dreamcast — 80 €. Mit zwei Controllern und VMU: 110 €. Mit Original-Karton: 160 €. Wir behalten Dreamcasts oft länger im Bestand, weil wir sie selber gerne behandeln.
- Game Gear — 25 €. Die meisten haben Kondensator-Defekte. Mit komplett überholten Caps: 75 €.
Dritte Familie: Sony (PS1, PS2, PSP, PSV)
- PS One Slim — 35 €. Mit LCD-Bildschirmaufsatz: 90 €.
- PS1 Original (SCPH-1002 / SCPH-7502) — 30 €. Die frühen Modelle haben den besseren digitalen Audio-Ausgang (RCA). Sammler mit High-End-Kette zahlen anderswo 60–80 €.
- PS2 Original (Fat) — 35 €. Mit zwei Controllern und Karton: 75 €. Wichtigster Faktor: Lasereinheit. Defekte Linse senkt den Wert auf 10 €.
- PS2 Slim (SCPH-70000-Serie) — 50 €. Mit zwei Controllern: 70 €. Wir kaufen vorrangig die SCPH-90000-Variante, weil dort die integrierte Festplatten-Anschluss-Möglichkeit fehlt — aber das Mainboard zuverlässiger ist.
- PSP-1000 — 60 €. Mit Originalverpackung: 110 €. Die UMD-Laufwerks-Schienen sind in 50 % der Geräte hakelig — Cilia reinigt und justiert vor der Abnahme.
- PS Vita Slim (2000) — 110 €. Mit 8-GB-Speicherkarte: 130 €. Mit 32-GB-Karte: 170 €.
Vierte Familie: Microsoft (Xbox, Xbox 360)
- Original Xbox (the big black one) — 45 €. Mit Original-Duke-Controller: 65 €.
- Xbox 360 S (matte black, 250 GB) — 70 €. Mit zwei Controllern: 95 €.
- Xbox 360 E (slate gray) — 55 €. Wir kaufen 360-E weniger gerne, weil das Gehäuse instabiler ist und die Lautstärke unter Last höher.
Fünfte Familie: Sonderfälle (NEO GEO, Intellivision, Vectrex, Atari)
- NEO GEO AES — 580 €. Mit Originalcontroller und einem AES-Modul: 750 €. Sammler-Hardware. Wir kaufen sie selten an.
- Intellivision Mattel (alle Varianten) — 70 €. Mit Sechs-Modul-Bundle: 130 €. Die Controller-Membranen sind in 80 % der Fälle erneuerungsbedürftig.
- GCE Vectrex — 320 €. Mit OverlaysSet: 400 €. Eines der seltensten Geräte der frühen Achtziger.
- Atari 2600 Junior — 30 €. Mit Originalcontroller und fünf Modulen: 50 €.
- Atari Jaguar — 90 €. Wir kaufen sie selten an, weil das Sortier-Regal voll davon ist — eine Konsole, die sich heute überraschend gut wiederverkaufen lässt.
Eine Tabelle ist ein Werkzeug, kein Gesetz. Wenn euer Gerät in einer außergewöhnlich guten Verfassung ist oder einen seltenen Aufdruck trägt, schreibt uns. Wir korrigieren nach oben, wo es ehrlich ist. — Cilia, Werkstattbuch 2026, Eintrag 18
Was die Tabelle nicht abbildet
Drei Dinge fehlen bewusst. Erstens die japanischen Modelle. Die importieren wir nicht, weil unsere Aachener Stamm-Kundschaft Westdeutschland-PAL bedient. Zweitens die Mod-Konsolen — RGB-modifizierte SNES, Region-Bypass-Saturn, RetroPie-Boxen — diese kaufen wir nur an, wenn der Modder bekannt und dokumentiert ist. Drittens die wirklich rare Hardware wie der Sega Pluto oder die japanische Capcom Power System Changer. Bei diesen verweisen wir auf befreundete Spezialisten in Eindhoven und Karlsruhe.
Wenn ihr eine Konsole habt, die hier nicht auftaucht — schreibt uns. Cilia antwortet meistens innerhalb eines Werktags, in einigen Sonderfällen vereinbart sie einen Besuch in Aachen. Wir nehmen Anhängsel-Bilder über E-Mail entgegen und schätzen rein bildlich vorab, was sich lohnt.